Regulatorik & Realität - Folge 4 · § 212 VVG: Vier Wochen — und wer trägt die Fristverantwortung?

Shownotes

Die Themen dieser Folge:

  • § 212 VVG / BRSG II: Das erweiterte Fortsetzungsrecht tritt am 1. Juli in Kraft. Die Drei-Monats-Frist läuft tagesgenau — wer auf Monatsende rundet, kann den gesetzlichen Anspruch verfehlen. 100 Prozent Sicherheit statt 98 Prozent Wahrscheinlichkeit.
  • Die Exit-Frage unter DORA: bAV-Plattformen als IKT-Drittdienstleister — Exit-Strategie (Art. 28), Vorabprüfung der Ersetzbarkeit (Art. 29), Datenrückgabe (Art. 30). Und die 6,5-Prozent-Zahl aus dem Probelauf der europäischen Aufsichtsbehörden.
  • Digital Omnibus: Hochrisiko-Fristen verschieben sich — die Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 KI-VO greift aber unverändert am 2. August 2026. Artikel 14 (menschliche Aufsicht) bleibt.
  • BaFin verschärft den Ton: IT-Mängel können Eigenkapitalzuschläge unter Solvency II kosten — IT-Governance wird zum Solvabilitätsthema.
  • Self-Check & Drei-Dinge-Liste für die Woche.

Links:

Ein Podcast der IT Warehouse AG — Wir digitalisieren Versicherung!

Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:25: Hallo zusammen, wir steigen heute direkt ein der Stichtagdrückt.

00:00:29: Vor zwei Wochen hast du gesagt, aus IT-Resilienz wird in dem Moment eine Beratungssituation, indem ein Kunde fragt was gerade passiert.

00:00:37: Ist dieser Moment eingetreten?

00:00:39: Diese Woche Wörtlich, ein markler Geschäftsführer fragte mich nicht was unser System kostet sondern ist es überhaupt vorstellbar zu wechseln und wie lange würde das dauern?

00:00:49: Wie komme ich wieder raus?

00:00:50: Das war seine erste Frage.

00:00:52: Und genau darum geht es heute!

00:00:54: Um eine Frist die in vier Wochen greift um die Exitfrage unter Dora um einen Aufschub beim EI-Eckt der keiner isst und um eine BaFin Botschaft die IT zur Eigenkapitalfrage macht.

00:01:06: Dann fangen wir bei der Frist an.

00:01:19: Stimmt und das ist bewusst so.

00:01:21: Vor zwei Wochen ging es um die drei Szenarien, die der Paragraf öffnet – die Prozesslücke.

00:01:26: Heute geht's um die Mechanik dahinter, die frisst und um die Frage wer sie verantwortet.

00:01:31: Vier Wochen vor einem gesetzlichen Stichtag ist das keine Wiederholung!

00:01:36: Das ist Begleitung entlang des Countdowns.

00:01:44: Das erweiterte Fortsetzungsrecht tritt in Kraft Teil des BRSG-II.

00:01:49: Beschäftigte können innerhalb von drei Monaten nach Ende einer endgeldlosen Zeit verlangen, dass ihre Arbeitnehmer finanzierte Versorgung zu den alten Konditionen weiterläuft – Elternzeit, Pflege, Langzeit, Erkrankungen, Sabatical Und jetzt das Entscheidende, ein Rechenbeispiel ausdrücklich als Illustration.

00:02:09: Endet die Elternzeit am fünfzehnten Juli läuft die Frist tagesgenau bis zum fünfzehnten Oktober.

00:02:16: eine Systemlogik, die auf Monats Ende rundet statt tagsgenau zu rechnen verschiebt diese Frist und kann den Anspruch verfehlen.

00:02:26: Eine Rundungsfehler als Haftungsfrage.

00:02:29: Genau das bei einem gesetzlichen Anspruch kann das Haftungsfragen auslösen.

00:02:34: Wer das händisch über HR-Postfecher steuert, verlässt sich auf Aufmerksamkeit.

00:02:38: Wer es über einen Prozess steuern lässt sich auf Nachweisbarkeit.

00:02:42: und deshalb sage ich seit Monaten den selben Satz In der BAV brauchen wir bei der Fristenberechnung Hundertprozent Sicherheit keine Achtundneunzig Prozent Wahrscheinlichkeit.

00:02:57: Das ist kein Versprechen technischer Perfektion, sondern ein Anspruch an den Prozess.

00:03:02: Bei einer gesetzlichen Frist ist achtundneunzig Prozent keine Prozessqualität, sondern einen Restrisiko.

00:03:09: Ein wahrscheinlichkeitsbasiertes Modell darf die Frist vorbereiten.

00:03:13: Auslösen und verantworten muss sie ein deterministischer revisionssicherer

00:03:18: Prozess.".

00:03:19: Der Satz sitzt

00:03:21: Und er muss sitzen, denn die Frist läuft pro Einzelfall nur auf Verlangen und sie verzeiht keinen Rundungsfehler.

00:03:27: Die konkrete Berechnung im Einzelfallen bleibt eine fachliche Prüfung aber die Systemfrage Tagesgenau oder Monatsende kann jeder heute stellen.

00:03:37: Zurück zur Eingangsfrage des Geschäftsführers Wie komme ich wieder raus?

00:03:41: Was sagt die Regulatorik dazu?

00:03:44: Aufsichtsrechtlich ist die Frage längst entschieden.

00:03:47: Sobald eine BRV-Plattform eine kritische oder wichtige Funktion stützt, gilt sie unter DORA als IKT Drittdienstleister.

00:03:54: Das ist eine Wesentlichkeitsbewertung, die jedes Haus selbst vornimmt – aber wenn Sie greift, reichen Funktion und Preis nicht mehr!

00:04:04: Dann verlangt Artikel Dokumentiert, getestet, regelmäßig geprüft.

00:04:11: Artikel dreißig verlangt Datenrückgabe sicher und vollständig in leicht zugänglichem Format.

00:04:19: Und?

00:04:19: Artikel neunundzwanzig die Vorabprüfung ob der Anbieter nicht ohne weiteres ersetzbar ist.

00:04:25: Du zitierst dazu gerne eine Zahl – sechs Komma fünf Prozent.

00:04:29: Aber die betrifft doch die Registermeldungen Nicht eine Migration.

00:04:33: Ist das nicht Panikmache

00:04:35: Vollkommen richtig eingegrenzt und genau so meine ich sie.

00:04:39: Die Zahl stammt aus dem sektorweiten Probelauf der europäischen Aufsichtsbehörden über tausend teilnehmende Finanzunternehmen, nur sechs Komma fünf Prozent bestanden alle Datenqualitätsprüfungen für ihre eigenen Informationsregister.

00:04:55: Das betrifft die Register nicht die Migration kein Kausalschluss aber ein Prüfanlass.

00:05:01: und der führt zu einer unbequemen Frage, wenn die Daten schon im Normalbetrieb nicht sauber sind wie sicher und vollständig liefe dann ein Wechsel unter Druck.

00:05:12: Und warum trifft das gerade jetzt einen Nerv?

00:05:14: weil Plattformkosten gerade spürbar steigen.

00:05:18: Und wo Kosten steigen, ist echte Wechselfähigkeit der einzige Hebel am Verhandlungstisch.

00:05:24: Deshalb ist die Frage des Geschäftsführers die richtige Frage zur richtigen Zeit und sie ist längst keine reine Maklerfrage mehr.

00:05:31: Beim Versicherer Vorstand lautet sie nur anders Könnten wir die Exit-Fähigkeit im Ernstfall gegenüber der Aufsicht nachweisen?

00:05:42: Die Antwort entscheidet sich nicht im Vertragsordner.

00:05:46: Exitfähigkeit ist kein Dokument im Ordner, sie ist eine getestete Fähigkeit oder

00:05:54: Fiktion.

00:05:55: Das werden wir gleich im Self-Check wieder hören.

00:06:07: Das ist die gefährlichste Lesart des Jahres.

00:06:09: Am siebten Mai haben sich Rat und EU-Parlament auf den Digital Omnibus geeinigt, die Hochrisikofristen rücken nach hinten je nach Kategorie auf Ende twenty-sevenundzwanzig beziehungsweise August zwanzig achtundzwantzig.

00:06:23: Wichtige Einschränkung – das ist eine politische Einigung noch nicht im Amtsblatt als Planunggrundlage nutzbar unter Vorbehalt der formalen Annahme.

00:06:32: Und was bleibt unverändert?

00:06:34: Drei Dinge.

00:06:35: Erstens, die Kennzeichnungspflicht für KI-Outputs nach Artikel fünfzig greift unverändert zum zweiten August zwanzig sechsundzwanzig in acht Wochen.

00:06:44: Zweitens, Artikel vierzehn wirksame menschliche Aufsicht bleibt inhaltlich bestehen.

00:06:49: Drittens – Die Governance Erwartung der BAFIN an Versicherer gilt ohnehin technologieunabhängig.

00:06:56: Wer aus dem Omnibus dann erst über nächstes Jahr liest Irrt.

00:07:01: Hast du ein Beispiel was menschlicher Aufsichts konkret heißt?

00:07:04: Letzte Woche schickte mir ein Markler einen KI-Prüfbericht.

00:07:07: Zwölf Seiten jede Abweichung sauber markiert, drei kritische Punkte, neun Fußnoten.

00:07:13: Das Modell hatte zuverlässig alles gefunden aber nichts gewichtet.

00:07:16: Welcher der drei Punkte das Mandat gefährdet und welche eine Formalie ist?

00:07:21: Das stand nirgends.

00:07:24: Genau darin liegt der Wert und die Grenze zugleich.

00:07:27: Erkennung ist die Stärke der Maschine Gewichtung und Verantwortung bleiben menschlich.

00:07:33: Das heißt, wer den Bericht ungeprüft an den Kunden weiterreicht hat die Aufsicht nach Artikel.

00:08:03: Auf ihrer Jahrespressekonferenz im Mai hat die Aufsicht den Ton verschärft.

00:08:08: Bei einzelnen Versicherern bestehen weiterhin IT-Mängel mit Folgen bis hin zu Eigenkapitalzuschlägen unter Solvency II und Barfinn.

00:08:16: Präsident Branson legt beim Tempo nach, Schwachstellen müssten künftig binnen Tagen geschlossen werden – weil KI Angriffe drastisch beschleunigt.

00:08:26: Was bedeutet das über die IT Abteilung hinaus?

00:08:29: Genau das ist der Punkt!

00:08:31: Die Aufsicht behandelt IT-Governance nicht mehr als Hygiene, sondern als Solvabilitätsthema.

00:08:38: Damit verschiebt sich die Diskussion vom IT-Leiter direkt auf den Vorstandstisch.

00:08:43: Eigenkapital ist eine andere Sprache als ein Prüfbericht

00:08:46: Eine deutlich teurere.

00:08:48: Ein IT-Mangel der früher einen Maßnahmenplan war Kostet jetzt im Zweifel Solvenzquote und das liest jeder Aufsichtsrat.

00:08:56: Für Makler heißt das, die Fragen, die heute an versicherer Vorstände gehen kommen morgen als Kundenfragen zurück.

00:09:03: Wer KI einsetzt ohne den Datenfluss zu beherrschen kauft sich genau das Risiko ein dass die Aufsicht gerade adressiert.

00:09:11: Bevor wir rausgehen der Self-Check.

00:09:14: drei Fragen dreiehrliche Antworten.

00:09:17: Erstens rechnet dein Fristprozess für § Oder rundet er auf Monatsende.

00:09:24: Zweitens ist deine Ausstiegsstrategie ein Dokument im Ordner oder eine getestete Fähigkeit.

00:09:29: Drittens weißt du heute, welche deiner KI-Outputs ab zweiten August gekennzeichnet sein müssen.

00:09:36: Und wenn jemand dreimal Nein sagt?

00:09:39: Drei – nein!

00:09:40: Dann hat diese Folge sich schon gelohnt.

00:09:43: Die drei Dingeliste für die Woche

00:09:45: Erstens, der Selbsttest mit der BA-Fin Arbeitshilfe zu den DORA Mindestvertrags inhalten.

00:09:52: Nimm einen bestehenden Plattformvertrag und prüfe ihn Zeile für Zeile gegen Artikel dreißig Datenrückgabe Format Kündigungsfolgen Mehr als eine Lücke.

00:10:01: dann hast du dein erstes Projekt fürs dritte Quartal gefunden.

00:10:06: Kostet eine halbe Stunde spart im Ernstfall Monate.

00:10:11: Zweitens die Systemfrage stellen beim Versicherer oder beim eigenen Verwaltungssystem, wie wird die drei Monatsfrist berechnet?

00:10:20: Tagesgenau oder Monatsende?

00:10:24: Eine E-Mail eine Antwort Klarheit.

00:10:28: Drittens eine Inventur der KI-Werkzeuge im eigenen Haus, welche erzeugen Outputs die Kunden erreichen.

00:10:36: Das ist die Vorbereitung auf Artikel fünfzig und sie kostet nichts außer

00:10:41: Ehrlichkeit.".

00:10:42: Und wer das alles schwarz auf weiß will?

00:10:45: Im Newsletter von heute mit allen Primärquellen.

00:10:48: Dort läuft auch die Einwortfrage Ist Ausstiegsstrategie bei euch ein Dokument oder getestet?

00:10:54: Antwortet mit einem Wort dokument oder getested.

00:10:57: Ich greife die Verteilung anonymisiert in der nächsten Ausgabe

00:11:01: Und in zwei Wochen?

00:11:03: In der nächsten Folge ziehen wir Halbjahresbilanz, was das erste halb Jahr zwanzig sechsundzwanzig wirklich gebracht hat und wir schauen wer für den zweiten August wirklich bereit

00:11:14: ist.

00:11:19: Bis dann!

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